Von Albtraum bis Restless Legs
„Während der Nacht kehrt die Sorge zurück“, sagte Vergil. Dies erklärt, weshalb so viele Menschen gerade nachts ins Grübeln geraten und schlaflos sind. Fast jeder dritte Deutsche hat schon einmal unter vorübergehender Schlaflosigkeit gelitten, 7,5 % der Erwachsenen sind dauerhaft davon betroffen.Im Überblick
Die Häufigkeit der Ein- und Durchschlafstörungen, auch
Insomnien genannt, steigt mit dem Alter: Während nur 2,5 Prozent der jungen Frauen unter 30 über Schlaflosigkeit klagen, sind es bei den 70- bis 79-Jährigen 13,2 Prozent. Männer sind seltener betroffen: Nur 0,7 Prozent der 20- bis 29-Jährigen und 5,2 Prozent der über 70-Jährigen leiden unter einer chronischen
Insomnie.
Unter Schlaflosigkeit leidet, wer z. B. regelmäßig
- länger als eine halbe Stunde braucht, um einzuschlafen
- nachts aufwacht und mehr als 20 Minuten braucht, um wieder einzuschlafen
- frühmorgens gegen 5 Uhr aufwacht und nicht mehr weiterschlafen kann
- weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft
- sich am Tage nicht mehr konzentrieren kann.
Nach vier Wochen Schlaflosigkeit den Arzt aufsuchen Schlafmediziner raten zu einem Arztbesuch, wenn die Schlaflosigkeit chronisch wird, d. h., wenn sie mindestens dreimal in der Woche auftritt und länger als vier Wochen anhält. „Ohne Behandlung wird sich eine chronische
Insomnie nur in den seltensten Fällen von allein wieder geben. Und viele Schlafgestörte warten viel zu lange auf eben solch eine Fügung.“ – „Ich habe gedacht, das wird schon wieder“, ist ein oft gehörter Satz in einer Schlafambulanz“, schreibt Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin, in seinem Buch „Der Schlafquotient“.
Eine chronische
Insomnie ist für den Schlaflosen allein schwer in den Griff zu bekommen, weil ein Teufelskreis entsteht: Der Schlaf ist mit der Zeit nur noch mit Angst und Anspannung verbunden, was ein friedliches Schlummern erst recht unmöglich macht. Die Ärzte werden Ihnen zunächst zu einer kognitiven Verhaltenstherapie raten. Dazu zählen:
Den Teufelskreis durchbrechen Zwei große Studienauswertungen belegen, dass die Verhaltenstherapie häufig effektiv ist und ihre Wirkung lange anhält. Wenn die Verhaltenstherapie jedoch keinen Erfolg zeigt, ist eine
medikamentöse Therapie notwendig, um den Teufelkreis zu durchbrechen. "Dem Insomniker wird mit ihrer Hilfe überhaupt erst wieder in Erinnerung gerufen, wie es eigentlich ist, mal eine Nacht ohne Unterbrechung zu schlafen", sagt Dr. Ingo Fietze. Allerdings dürfen Sie
Schlaftabletten nie auf eigene Faust einnehmen. Wichtig ist, dass Sie in ständigem Kontakt zu Ihrem Hausarzt oder einer Schlafambulanz stehen und nur die dort verordneten Medikamente nehmen.
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Schlafapnoe: Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Diabetes
Die
Schlafapnoe ist weit verbreitet: 24 Prozent aller Männer sind von nächtlichen Atemaussetzern betroffen – vor allem übergewichtige ab 40 Jahren – und 9 Prozent aller Frauen. Dies hat eine Bevölkerungsstudie in den USA mit 600 Probanden ergeben, die im
Schlaflabor untersucht wurden.
Der Atem setzt minutenlang aus Ursache für die
Schlafapnoe ist eine Muskelschwäche im Rachenraum: Die Zunge fällt nach hinten, die Rachenseitenwände kollabieren und das Gaumensegel erschlafft. So verengt sich der Atemweg, was als Schnarchgeräusch zu hören ist. Gefährlich wird das Schnarchen, wenn sich der Atemweg komplett verschließt, dann setzt die Atmung 10 bis 60 Sekunden aus, manchmal auch 2 Minuten. Ab fünf Atemaussetzer pro Stunde sprechen Schlafmediziner von einer
Schlafapnoe.
Extreme Belastung fürs Herz Während der
Apnoe steigt der Kohlendioxidgehalt im Körper. Davon wacht der Schlafende auf, oft nur ganz kurz und unbemerkt. Doch diese Kurzwachphasen oder Arousals belasten das Herz extrem: Während der
Apnoe sinken Puls und Blutdruck - danach, während des tiefen Durchatmens steigen sie abrupt.
"Schon mehr als 20 Unterbrechungen pro Stunde sind ein großes Risiko für das Herz-Kreislauf-System und reduzieren die Lebenserwartung um etwa acht bis zehn Jahre", schreibt der Leiter des Interdisziplinären schlafmedizinischen Zentrums Dr. Ingo Fietze in seinem Buch "Der Schlafquotient". Fast alle Patienten mit
Schlafapnoe entwickeln im Laufe der Zeit
Bluthochdruck. Sie haben ein hohes Risiko für
Herzrhythmusstörungen, einen nächtlichen
Schlaganfall oder
Herzinfarkt und auch für
Diabetes.
Eine Nasenmaske bringt schnelle Linderung Eine wirkungsvolle Hilfe gegen die Atemaussetzer bietet eine nächtliche Überdruckbeatmung mit einer Nasenmaske, die die Atemwege frei hält. Die Nasenmaske wird auch CPAP-Gerät genannt, CPAP steht für continuous positive airway pressure, was so viel heißt wie: kontinuierlicher Atemwegsdruck. Den Gebrauch des CPAP-Geräts lernen Sie im
Schlaflabor.
Außerdem empfehlen sich bei einer milden
Schlafapnoe und ebenso bei Schnarchen:
- Gewichtsreduktion
- Alkoholverzicht
- Vermeiden der Rückenlage
- Kinnbinde (in der Apotheke erhältlich)
- Nasenflügelspreizer (in der Apotheke erhältlich)
- Protrusionsschiene (Aufbissschiene), die der Zahnarzt anpassen kann.
Extreme Tagesmüdigkeit ist typisch Wenn Sie oft schnarchen, morgens unter Kopfschmerzen leiden, obwohl Sie ausreichend lange im Bett waren, oder tagsüber oft extrem müde sind, empfiehlt sich dringend ein Arztbesuch beziehungsweise eine Untersuchung im
Schlaflabor: Es könnte sein, dass Sie unter einer
Schlafapnoe leiden.
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Wenn die Beine keine Ruhe geben
Das
Restless-Legs-Syndrom (RLS), auf Deutsch: das Syndrom der ruhelosen Beine, kommt häufiger vor, als sein exotischer Name vermuten lässt: 5-10 % der Gesamtbevölkerung sind von dieser neurologischen Krankheit betroffen, 80 % davon auch während des Schlafens. Besonders oft leiden unter dem
RLS Frauen, die mehrere Kinder geboren haben, sowie ältere Menschen. Das RLS kann auch Begleitsymptom einer Schwangerschaft, einer Anämie oder einer Niereninsuffizienz sein.
Die Missempfindungen treten besonders vor dem Einschlafen, gegen Mitternacht und morgens um 4 Uhr auf. Oft werden die Betroffenen durch Kribbeln, Ziehen, Spannen oder sogar Schmerzen in den Beinen geweckt und können diese quälenden Missempfindungen nur durch Umherlaufen bezwingen. Aber auch zwischendurch sind die Missempfindungen unbewusst spürbar. Dies veranlasst den Schlafenden zu Beinbewegungen. Er wacht nicht wirklich auf, trotzdem wird auch in diesem Fall der Schlaf gestört. Die Folge ist häufig starke Tagesmüdigkeit.
Therapie mit Parkinson-Medikamenten Ist eine Eisenmangelanämie Ursache für die RLS, kann eine Eisenersatztherapie helfen. In anderen Fällen bietet sich eine Langzeittherapie mit Parkinson-Medikamenten an, vor allem die
Dopamin-Agonisten zeigen eine gute Wirkung. Helfen dem Patienten diese Medikamente nicht und wird er von schweren Durchschlafstörungen geplagt, kann eine Therapie mit Opioiden, Antiepileptika oder Tranquilizern (Beruhigungsmittel) wie Benzodiazepinen sinnvoll sein.
Allerdings benötigen nur ca. 25 % der Patienten mit RLS eine Therapie, heißt es beim Robert Koch-Institut. Eine medikamentöse Therapie ist oft nur bei extremer Tagesmüdigkeit gerechtfertigt, denn auch Dopamin-Agonisten haben relativ viele Nebenwirkungen, etwa Psychosen und Übelkeit.
Das RLS tritt oftmals zusammen mit der
Schlafapnoe auf. In diesem Fall behebt die Therapie mit einer Überdruckmaske nicht nur die
Schlafapnoe, sondern lindert meistens auch das RLS.
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Hypersomnie und Narkolepsie: gefährliche Schlafattacken
Bei Schlafstörungen denkt jeder sofort an durchwachte Nächte. Doch auch das Gegenteil ist möglich: Auch wenn jemand nachts reichlich schläft und trotzdem tagsüber müde ist und von Einschlafattacken gequält wird, sprechen Schlafmediziner von einer Schlafstörung. Sie bezeichnen dieses extrem große Schlafbedürfnis als
Hypersomnie. Ursache für eine
Hypersomnie ist häufig, dass sich der Betroffene während des Nachtschlafs nicht ausreichend erholt, weil er durch eine Schlafapnoe oder ein Restless-Legs-Syndrom gestört wird.
Die Ursache liegt in den Genen In seltenen Fällen verbergen sich hinter der
Hypersomnie auch Schlafanfälle (Narkolepsie). Das Wach-Zentrum im Gehirn schaltet sich von einer zur anderen Sekunde ab, so dass der Schlafende meistens sofort in der Traum-Phase landet. In einigen Fällen kommt es auch zu Kataplexien: ein emotional ausgelöster, plötzlicher Tonusverlust, also ein Erschlaffen der Muskulatur oder einzelner Muskelgruppen. Gelegentlich versagt die gesamte Haltefunktion der Muskulatur und der Betroffene stürzt. Außenstehende halten diese Kataplexien häufig für einen Herzinfarkt oder Kreislaufkollaps.
Ursache für die Narkolepsie ist ein genetischer Defekt, der zu einem Mangel an den schlafregulierenden Neuropeptiden Hypocretin bzw. Orexin führt. Die Narkolepsie ist gar nicht so selten: Von 2.000 Menschen ist einer betroffen. Besteht bei Ihnen der Verdacht auf Narkolepsie, sollten Sie auf eine Überweisung ins
Schlaflabor drängen.
Effektive Medikamente gegen Narkolepsie Therapieren lässt sich die Narkolepsie mit dem Medikament Modafinil: Es wirkt stimulierend auf die Psyche, außerdem verstärkt es den
Tiefschlaf und damit die erholsame Wirkung des Schlafs. Modafinil hat nur ein geringes Abhängigkeitspotenzial. Darüber hinaus bietet sich Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) an, die ebenfalls den Nachtschlaf verbessert sowie die Kataplexien am Tage mindert. GHB wirkt jedoch nur kurze Zeit und ist deshalb für die Dauertherapie nicht geeignet. Auch
Hypnotika bieten sich in einigen Fällen an, bei Kataplexien außerdem trizyklische Antidepressiva, die die Traum-Phasen unterdrücken.
Nicht Auto fahren Plötzliches Einschlafen ist sehr gefährlich, gerade am Steuer. Wer unter Narkolepsie leidet, darf nicht Auto fahren und keinen Beruf ausüben, der jede Minute volle Konzentration erfordert wie z. B. Schweißer, Chirurg oder Pilot.
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Schlafwandeln und Albtraum: Die unheimlichen Seiten des Schlafs
Die meisten Menschen kennen Schlafwandler nur aus Romanen oder Filmen. Doch es gibt sie tatsächlich und den Betroffenen und ihren Familien ist das Schlafwandeln äußerst unheimlich. Ebenso beängstigend wirken das Sprechen im Schlaf und Traumschlaf-Verhaltensstörungen, bei denen die Schlafenden ihre aggressiven Träume ausleben und z. B. um sich schlagen. Weitere unheimliche Erscheinungsformen des Schlafes sind Albträume und die Schlafparalyse, bei der der Betroffene schon oder gerade noch wach ist und sich als vollständig gelähmt empfindet. Alle diese Phänomene – Schlafmediziner bezeichnen sie als
Parasomnien – hängen mit Störungen der
Tiefschlaf-Phase oder der Traum-Phase (
REM-Phase) zusammen und können hervorgerufen werden durch
- Stress
- Alkohol
- Schlafdefizit
- Infektionen
- Medikamentenmissbrauch etwa von Benzodiazepinen.
Zur Therapie der
Parasomnien gehört, diese Risikofaktoren zu erkennen und sie dann zu reduzieren. Außerdem lassen sich Schlafwandeln, Albtraum, Traumschlaf-Verhaltensstörung, Schlafparalyse und Sprechen im Schlaf teilweise durch leichte Schlafmittel behandeln, die den Tief- und
REM-Schlaf beeinflussen. Sie kommen aber nur selten zum Einsatz. "Aber mindestens genauso viel hilft es den Patienten, wenn sie sich bei einer Untersuchung im
Schlaflabor das Erlebte von der Seele reden können und es sich dann aus der Sicht des Spezialisten beschreiben und erklären lassen. Dieses Einordnen des Erlebten ist überaus wichtig", schreibt Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité, in seinem Buch "Der Schlafquotient".
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